Offener Brief an den Stadtrat

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Das Solarbündnis Regensburg - bestehend aus 
  • attac
  • BUND Naturschutz
  • BüfA Regensburg n. e. V.
  • Greenpeace Regensburg
  • Samos e. V. 
hat einen offenen Brief (siehe unten) an die Mitglieder des neu gewählten Stadtrats versendet, in dem der Stadtrat aufgefordert wird, das Potential der Solarenergie in Regensburg zu nutzen (klotzen und nicht kleckern!) und im öffentlichen Raum Energiesparmaßnahmen zu treffen (z. B. LED-Straßenbeleuchtung).
 
Leider können wir unsere wunderbare Sonne derzeit nicht in der Öffentlichkeit präsentieren.
 
Hinweisen möchten wir noch auf das wunderbare Erklärvideo von Walter Nowotny zum Solarbündnis: https://youtu.be/Tbb79_WSPsE

 

Hier der offene Brief im Wortlaut:

Solarbündnis Regensburg

Offener Brief an die neu gewählten Stadträtinnen und Stadträte

Sehr geehrte Stadträtin / sehr geehrter Stadtrat

das Solarbündnis Regensburg gratuliert Ihnen herzlich zur Wahl in den Regensburger Stadtrat!

Derzeit hält noch die Corona-Krise Regensburg und die Welt in Atem. Glücklicherweise handelt hier die Politik auf Basis fast aller Expertenaussagen schnell und mit Nachdruck.

 

Solch beherztes Handeln vermissen wir leider bisher bei der Klimakrise, obwohl diese um Dimensionen größer ist. So haben seit 2012 die Bundesregierungen entgegen den Aussagen fast aller Experten den Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt für Schritt erschwert und eingeengt, indem Einspeisevergütungen gekürzt und Bürokratie-Hemmnisse aufgebaut wurden. Die Energiewende ist in Deutschland fast zum Erliegen gekommen, was sowohl Arbeitsplatzverluste als auch Versorgungsengpässe zur Folge hat: Denn in der Photovoltaikbranche wurden über 80 000 Arbeitsplätze vernichtet, bei der Windkraft schon jetzt mehr als 20 000, Tendenz steigend - auch in Regensburg. Auch für den unumgänglichen Umstieg auf erneuerbare Energien in den Sektoren Wärme und Mobilität wird unser Strombedarf deutlich steigen. Wenn wir also eine gewaltige Stromlücke vermeiden wollen, brauchen wir einen intensiven Ausbau der regenerativen Energien.

Leider drängt die Zeit sehr: Wir sind gerade dabei, beim Klima Kipp-Punkte zu überschreiten. Danach werden wir keine Chance mehr haben, noch Einfluss zu nehmen, da sich die Erderhitzung automatisch selbst verstärkt. Jetzt schon verliert die Antarktis über 250 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr, den Grönländischen Eispanzer werden wir weit schneller verlieren als befürchtet, immer größere Teile der 23 Millionen Quadratkilometer Permafrostböden tauen gerade auf, jetzt schon drohen Teile des Amazonas-Regenwalds zur Steppe zu werden. Die Formulierung von Einsparungszielen bis 2050 bringt wenig, um diese Entwicklungen zu stoppen - vielmehr werden die wenigen nächsten Jahre entscheidend sein.

Daher bitten wir Sie, sich bereits in den ersten Tagen Ihrer Arbeit im Stadtrat für unsere Forderungen einzusetzen, die eine deutliche Erhöhung der Photovoltaik-Nutzung in unserer Stadt zum Ziel haben. Die Anlagen auf städtischen Gebäuden müssen möglichst groß werden, damit sie möglichst viel Strom produzieren und auch ins Netz einspeisen - und dürfen nicht (zur Erhöhung des Eigenverbrauchsanteils) absichtlich möglichst klein werden. In der Wirtschaftlichkeitsrechnung mag zwar der Eigenverbrauch im Vordergrund stehen, es ist aber die volle Ausschöpfung der Solarpotentiale nötig - und weitsichtig - gerade im Hinblick auf die notwendige Sektorenkopplung.

Von allen Arten der Energiegewinnung genießt die Photovoltaik in der Bevölkerung die größte Akzeptanz. Sie haben mit Photovoltaik die Menschen in Regensburg auf Ihrer Seite. Bei nur fünf Info-Aktionen konnten wir für unsere Forderungen, die Sie im Folgenden finden, über 1000 Unterschriften auf Postkarten sammeln. Diese werden wir an den Strahlen der "Regensburger Sonne" befestigen und in Kürze präsentieren. Ein sehr kurzes Video skizziert unsere Kampagne: https://youtu.be/Tbb79_WSPsE

Wir bitten Sie, sich konkret für folgende drei Projekte einzusetzen:

  1. Auf Dach- und Parkplatzflächen städtischer Liegenschaften müssen in der nächsten Legislaturperiode PV-Anlagen von mindestens drei Megawatt peak installiert werden.
  2. Die Stadt muss durch geeignete Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass private und gewerbliche Neubauten grundsätzlich mit PV-Anlagen realisiert werden.
  3. Die Straßenbeleuchtung muss bis Ende 2021 auf LED umgerüstet sein.

Zu 1: Nach Angaben der Stadtverwaltung "wird im Zuge der ganzheitlichen Betrachtung der Umweltfreundlichkeit jedes Bauvorhabens immer auch intensiv geprüft, wo die Installation einer Photovoltaikanlage sinnvoll ist". Diese Vorgehensweise ist zwar prinzipiell sehr zu begrüßen und ebenso die Pläne, in Zukunft den Zubau zu steigern; gleichwohl ist das Ergebnis - die Installation von gut 400 Kilowatt peak - völlig ungenügend. Bedenkt man, dass es das EEG schon seit fast 20 Jahren gibt, so hat die Stadt pro Jahr durchschnittlich gerade einmal 20 Kilowatt peak auf die Dächer gebracht, also etwa so viel, wie auf zwei Einfamilienhäuser passt. Ständig nur intensiv zu betrachten und zu prüfen, wo Photovoltaik sinnvoll ist, ist offenbar zu wenig. Das beweist das niederschmetternde Ergebnis ganz überdeutlich. Eine PV-Anlage ist ja fast überall sinnvoll und finanziell lukrativ: Daher müssten fast alle Dächer und Parkplätze städtischer Liegenschaften doch eigentlich längst voller Module sein! Da der Vorsatz, so viel zuzubauen wie sinnvoll, offenbar versagt hat, muss jetzt also ein konkretes Ziel ins Auge gefasst und schnell umgesetzt werden: mindestens drei Megawatt peak PV- Zubau in der nächsten Legislaturperiode. Flächen stehen genügend zur Verfügung und die Investition beträgt insgesamt nur etwa drei

Zu 2: Die Anzahl der Kommunen, die in unterschiedlicher Ausformung eine PV-Pflicht bei Neubauten vorschreiben, steigt kontinuierlich (Freiburg, Konstanz, Waiblingen, Tübingen, Moosburg und Ende 2019 Amberg, vgl. Anhang). Juristische Bedenken konnten offenbar ausgeräumt werden.

Zu 3: Je schneller die Umstellung auf die überaus effiziente LED-Technik in der Straßen-beleuchtung erfolgt, desto mehr Energie und Kosten werden gespart. So vollzog die Stadt Rom mit fast drei Millionen Einwohnern diese Umstellung innerhalb zweier Jahre. Bei uns hingegen begann sie anno 2009 und ein Ende ist auch jetzt anscheinend noch immer nicht in Sicht. Der Abschluss der Arbeiten ist ökologisch wie ökonomisch spätestens Ende 2021 nötig.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die Forderungen des Solarbündnisses aufnehmen und auf politischer Ebene mit Nachdruck vertreten könnten.

Mit freundlichen Grüßen

 Petra Filbeck (BüfA Regensburg n.e.V.)  Dr. Harry Klimenta (Attac)Walter Nowotny (Bund Naturschutz) Wolfgang Wegmann (Samos e.V.)Wolfgang Feiner (Greenpeace)