Die Karten werden neu gemischt

Halb vier Uhr in Washington: Ein siebzig Jahre alter Mann verkündet den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Eine ökologische, humanitäre, moralische und diplomatische Katastrophe. Eine weitere schockierende Missachtung der Wissenschaft.

Vertragsrechtlich wird die Kündigung erst kurz vor der nächsten US-Wahl endgültig wirksam, Herr Trump will aber schon jetzt den Klimaschutz zurückfahren.

Sweelin Heuss, Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, hat es treffend formuliert: „Mit seinem Alleingang sabotiert der Präsident den Schutz des Klimas, aber er bringt ihn nicht zu Fall – nicht weltweit und auch nicht in den USA“. Auch dort spielen erneuerbare Energien vielerorts mittlerweile eine wichtigere Rolle als die fossilen.

Derweil nimmt der Rückhalt für Trump aus der US-Wirtschaft ab: General Electric, Dow Chemical, Procter & Gamble - Großkonzerne der alten US-Industrie-Elite, fordern ihn auf, am Abkommen von Paris festzuhalten. Und, man glaubt es kaum, sogar die Ölkonzerne Exxon Mobil und Conoco Philips haben längst erkannt, dass Klimaschutz und damit die Nutzung sauberer Energieträger der richtige Weg in die Zukunft sind.

Einen „new deal“ wie Trump ihn fordert, darf und wird es nicht geben. Seine Bündnispartner Deutschland, Frankreich und Italien haben ihm das bereits deutlich gemacht. Sie müssen darauf bestehen!

Das Abkommen, das 2015 auf der Weltklimakonferenz in Paris nach jahrelangem und aufreibendem Ringen der Weltgemeinschaft von 195 Staaten verabschiedet wurde, hat zum Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Wer denkt, wir in Deutschland könnten uns zurücklehnen und warten, bis der Rest der Welt gleichzieht, der irrt gründlich: Deutschlands Klimaschutzbemühungen sind zwischen 2009 und 2015 nahezu zum Erliegen gekommen und so bleiben auch wir weit hinter den Zielen von Paris zurück. Andere Staaten sind deutlich schneller.

Für wirksamen Klimaschutz notwendig wären an erster Stelle der schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2030, grundlegende Veränderungen im Verkehrssektor sowie ein substanzielles Umdenken in Landwirtschaft und Ernährung. Noch immer laufen klima- und gesundheitsschädliche Kohlekraftwerke, ohne die Folgekosten tragen zu müssen und ohne dass ein Ausstiegstermin politisch festgeschrieben wäre. Um die Emissionen ausreichend senken zu können, muss zudem bis 2025 die Produktion von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren beendet und Nutzungsmöglichkeiten unter anderem für Bahn und öffentlichen Personen- und Nahverkehr ausgebaut werden. Außerdem ist es dringend notwendig, den Fleischkonsum deutlich zu verringern.

Der Klimawandel ist real und auch in Regensburg unmittelbar spürbar – sei es an immer neuen Hochwasser-Extremereignissen oder an den Menschen, die hier Zuflucht suchen vor Dürren oder Gewalt in ihrer Heimat, die auch auf ein sich änderndes Klima zurückzuführen sind. Es gibt nur diese eine Erde und wir alle müssen – jetzt erst recht! – die aktuellen Entwicklungen zum Anlass nehmen, uns für einen wirksamen Klimaschutz eizusetzen. Ansätze, wie das gehen kann, zeigen Greenpeace und viele andere.

„New deal“ kann im Englischen auch heißen, dass die Karten neu gemischt werden.

#Resist
#wewillmoveahead